Dr. Vitale Bloch (1900–1975) war Kunsthistoriker, Sammler und Kunsthändler russisch-jüdischer Herkunft. Seit den 1920er-Jahren war er im internationalen Handel mit Gemälden Alter Meister tätig. Unter anderem stand er mit dem Berliner Kunsthändler Fritz Rothmann in Verbindung und arbeitete später von Den Haag und Paris aus. Sein Name erscheint in den Provenienzen zahlreicher niederländischer, flämischer und italienischer Gemälde.[1]

Bloch unterschied sich von vielen Kunsthändlern dadurch, dass er in erster Linie Kunsthistoriker und Kenner war. Über mehrere Jahrzehnte veröffentlichte er Studien zu Alten Meistern und schrieb regelmäßig für die renommierte Fachzeitschrift Oud Holland. Zu seinen Veröffentlichungen gehörten unter anderem Beiträge über Rembrandt, Paulus Bor und Caesar van Everdingen.[2]

Ein gutes Beispiel ist Die Göttin Pallas Athena mit dem Pferd Pegasus von Theodoor van Thulden. Bloch erwarb das Gemälde im Juli 1943 auf einer Auktion von Van Marle & Bignell in Den Haag und behielt es bis 1964. Später gelangte das Werk über den Kunsthandel in die Sammlung des J. Paul Getty Museum.[3]
Auch Cornelis Cornelisz. van Haarlems Die Toilette der Bathseba befand sich im Besitz Blochs. 1955 erwarb das Rijksmuseum in Amsterdam das Gemälde von ihm.[4] Als Anekdote über seine Zerstreutheit wird gelegentlich erzählt, dass er einem Bekannten zwei Landschaftsbilder schenkte. Da dieser die Werke nicht sofort mitnahm, verkaufte Bloch sie später versehentlich an einen Kunden.

Vitale Bloch während des Zweiten Weltkriegs
Blochs Stellung während der deutschen Besatzung bildet ein komplexes Kapitel seiner Laufbahn. Als jüdischer Kunsthistoriker befand er sich selbst in einer äußerst gefährdeten Position. Gleichzeitig unterhielt er Kontakte zu Personen, die an deutschen Kunstankäufen beteiligt waren, darunter Erhard Göpel, der für das geplante Führermuseum in Linz tätig war.
Untersuchungen der niederländischen Restitutiecommissie zeigen, dass Göpel Bloch Schutz gewährte, während Bloch im Gegenzug sein Fachwissen und seine Kontakte zur Verfügung stellte. Sein Name erscheint daher auch in Unterlagen zu Kunstwerken, die während der Besatzungsjahre auf dem Markt zirkulierten.[5] Diese Geschichte muss vor dem Hintergrund der außergewöhnlichen Umstände betrachtet werden, unter denen jüdische Kunstkenner und Händler während der Besatzung zu überleben versuchten.

Blochs Laufbahn berührt außerdem ein weiteres sensibles Thema der Kunstgeschichte: Fälschungen und fehlerhafte Zuschreibungen. Er lebte und arbeitete in einer Zeit, in der die Kennerschaft häufig entscheidend für die Beurteilung der Authentizität eines Gemäldes war. Die Affäre um Han van Meegeren zeigte, wie anfällig dieses System sein konnte. Nach dem Krieg setzte sich Bloch ausdrücklich mit der Bedeutung und den Grenzen kunsthistorischer Kennerschaft auseinander.[6]

Die Sammlung von Vitale Bloch
Bloch war nicht nur Kunsthändler, sondern baute auch eine bedeutende eigene Sammlung auf. Nach seinem Tod im Jahr 1975 vermachte er der Stadt Rotterdam neunzehn Gemälde und sechzehn Zeichnungen für Museum Boijmans Van Beuningen. Die Stadt nahm das Vermächtnis 1978 an; im selben Jahr erschien ein eigener Katalog der Sammlung.[7]
Das Vermächtnis unterstreicht die besondere Stellung, die Bloch während seines Lebens einnahm. Er war zugleich Wissenschaftler, Sammler, Berater und Händler. Deshalb erscheint sein Name bis heute in Museumskatalogen, historischen Auktionskatalogen, Fotodokumentationen und Provenienzangaben von Gemälden in Europa und den Vereinigten Staaten.

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Fußnoten
[1] National Gallery of Art, Washington, Provenienz-Datensatz Dr. Vitale Bloch (1900–1975); Edward Grasman, „Vitale Bloch: the early years“, RKD Bulletin 2010/2, S. 3–12.
[2] Siehe unter anderem Vitale Bloch, „Zum frühen Rembrandt“, Oud Holland 50 (1933), sowie „Pro Caesar Boetius van Everdingen“, Oud Holland 53 (1936).
[3] RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis, Provenienz zu Theodoor van Thulden, Die Göttin Pallas Athena mit dem Pferd Pegasus.
[4] RKD, Cornelis Cornelisz. van Haarlem, Die Toilette der Bathseba, 1594; Provenienz: Vitale Bloch, Paris, bis 1955; Rijksmuseum Amsterdam ab 1955.
[5] Restitutiecommissie, bindende Stellungnahme zu Jacob van Geel, Berglandschaft mit Baumstumpf; Dokumentation zu Vitale Bloch und Erhard Göpel während der deutschen Besatzung.
[6] Edward Grasman, „An Indispensable Eye for Art: Vitale Bloch“, Studiolo 11 (2014), S. 120–131.
[7] J.C. Ebbinge Wubben, Legaat Vitale Bloch, Museum Boymans-van Beuningen, Rotterdam, 1978; Restitutiecommissie, Empfehlung zum Nachlass Vitale Bloch.