Galerie Robert Finck gehörte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den etablierten Brüsseler Kunsthandlungen auf dem Gebiet der Alten Meister. Seit den 1950er-Jahren erscheint der Name Robert Finck regelmäßig in den Provenienzen niederländischer und flämischer Gemälde. Die Galerie blieb über mehrere Jahrzehnte aktiv und konzentrierte sich insbesondere auf Malerei vom 15. bis zum 19. Jahrhundert.[1]
Das Handelsprofil war deutlich international ausgerichtet. Gemälde, die von Finck angeboten wurden, tauchten später bei Händlern und Sammlern unter anderem in London, Deutschland und den Vereinigten Staaten auf. Auch Museen erwarben Werke direkt bei der Galerie. So kauften die Königlichen Museen der Schönen Künste Belgiens 1963 das bedeutende Triptychon des Jan de Witte aus dem 15. Jahrhundert von Galerie Robert Finck.[2]

Alte Meister und Ausstellungen
Ein wichtiges Merkmal von Galerie Robert Finck war die Verbindung von Kunsthandel und kunsthistorischer Präsentation. Die Firma organisierte regelmäßig Ausstellungen flämischer und niederländischer Meister und veröffentlichte dazu illustrierte Kataloge.
Titel wie Exposition de tableaux de maîtres flamands du XVe au XIXe siècle und Exposition de tableaux de maîtres du XVe au XVIIIe siècle veranschaulichen die Breite des Angebots. Bibliotheks- und Ausstellungsnachweise zeigen, dass solche Ausstellungen über viele Jahre hinweg veranstaltet wurden.[3]

Ein besonderer Höhepunkt war die Ausstellung von 1969 mit dreiunddreißig Gemälden Pieter Brueghels des Jüngeren aus belgischen Privatsammlungen. Die Ausstellung wurde in späterer Auktions- und kunsthistorischer Literatur häufig zitiert. Im selben Jahr erschien Georges Marliers umfangreiche Monografie Pierre Brueghel le Jeune bei Éditions Robert Finck. Die Galerie spielte damit nicht nur eine kommerzielle, sondern auch eine kunsthistorische Rolle bei der Erforschung dieses Malers.[4]

Flämische und niederländische Malerei
Zum Handelsbestand Fincks gehörten Künstler, die bis heute zu den wichtigsten Namen auf dem Markt für flämische Alte Meister zählen. Neben Pieter Brueghel dem Jüngeren sind insbesondere Werke von Roelant Savery und Künstlern aus dem Umkreis von Sebastiaen Vrancx gut dokumentiert.
Eine Landschaft von Roelant Savery befand sich beispielsweise spätestens im September 1964 bei Galerie Robert Finck und wurde im selben Jahr in die Ausstellung Exposition de tableaux de maîtres flamands du XVe au XVIIIe siècle aufgenommen. Das Werk wurde später auch in Saverys Werkverzeichnis aufgenommen.[5]

Auch eine vollständige Folge der Vier Jahreszeiten aus der Werkstatt Sebastiaen Vrancx’ befand sich 1958 bei Finck. Die vier Tafeln wurden in jenem Jahr direkt bei der Galerie erworben und blieben anschließend mehrere Jahrzehnte in derselben Privatsammlung.[6]
Gerade solche dokumentierten Provenienzen zeigen, auf welchem Niveau die Galerie arbeitete. Finck handelte nicht nur mit dekorativer alter Malerei, sondern auch mit Werken, die publiziert, ausgestellt und später in bedeutende Sammlungen aufgenommen wurden.
Mehr als nur Alte Meister
Obwohl die Galerie vor allem mit Alten Meistern verbunden wird, war das Handels- und Ausstellungsprogramm breiter angelegt. Auch die moderne belgische Malerei fand Beachtung. 1961 und 1962 organisierte Finck Ausstellungen mit Werken unter anderem von René Magritte und Paul Delvaux. 1969 fand ebenfalls eine Ausstellung moderner belgischer Malerei statt, in der James Ensor vertreten war.[7]

Robert Finck nahm außerdem an internationalen Kunst- und Antiquitätenmessen teil. Für die Florentiner Antiquitätenmesse im Palazzo Strozzi erschien 1969 beispielsweise ein eigener Katalog, in dem Robert Finck 91 Gemälde präsentierte.[8]
Der Name Galerie Robert Finck erscheint heute regelmäßig in Werkverzeichnissen, Museumsdokumentationen, historischen Ausstellungskatalogen und Auktionsprovenienzen. Damit ist die Firma für die Erforschung von Gemälden, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Belgien gehandelt wurden, von besonderer Bedeutung.
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Fußnoten
[1] Siehe unter anderem Sotheby’s, Provenienzangaben zu Werken mit Nennung von Galerie Robert Finck, Brüssel, ab 1953; Rijksmuseum Research Library, Galerie Robert Finck, La Galerie Robert Finck présente sa collection de tableaux anciens, Brüssel, 1979.
[2] Königliche Museen der Schönen Künste Belgiens, Meister von 1473, Triptychon des Jan de Witte; Provenienz: 1963 von Galerie Robert Finck, Brüssel, erworben.
[3] RKD Research Library und französische Museumskataloge, Ausstellungskataloge von Galerie Robert Finck, darunter Exposition de tableaux de maîtres du XVe au XVIIIe siècle, 1969–1970.
[4] Galerie Robert Finck, Trente-trois tableaux de Pierre Brueghel le Jeune dans les collections privées belges, Brüssel, 1969; Georges Marlier, Pierre Brueghel le Jeune, Brüssel: Éditions Robert Finck, 1969.
[5] Galerie Robert Finck, Exposition de tableaux de maîtres flamands du XVe au XVIIIe siècle, Brüssel, 1964, Kat.-Nr. 35; K.J. Müllenmeister, Roelant Savery. Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren, 1988.
[6] Christie’s, Studio of Sebastiaen Vrancx, The Four Seasons; Provenienz: Galerie Robert Finck, Brüssel, 1958.
[7] Galerie Robert Finck, Exposition de peinture belge moderne und Exposition de peinture belge moderne: de Jacob Smits à Roger Dudant, Brüssel, 1961–1962 und 1969; siehe außerdem die Werkverzeichnis- und Ausstellungsangaben zu René Magritte, Paul Delvaux und James Ensor.
[8] Robert Finck, Katalog zur Mostra Mercato Internazionale dell’Antiquariato, Palazzo Strozzi, Florenz, 1969; siehe außerdem RKD-Provenienzangaben zu Fincks Teilnahme an der Florentiner Messe im Jahr 1967.