Gemälde von Joos de Momper dem Jüngeren (1564–1635) können auf dem Auktionsmarkt Preise von einigen Tausend bis zu mehreren Hunderttausend Euro oder britischen Pfund erzielen. Diese große Preisspanne ist kein Zufall. Qualität, Autorschaft, Motiv, die Zusammenarbeit mit anderen Antwerpener Meistern, Provenienz, Fachliteratur und Erhaltungszustand bestimmen in hohem Maße, wie ein Werk am Markt eingeordnet wird. Eine bedeutende Gebirgslandschaft erzielte bei Christie’s beispielsweise 248.750 GBP, während Werkstattarbeiten teilweise in einer wesentlich niedrigeren Preiskategorie verbleiben.
Wer den Markt für Joos de Momper verstehen möchte, sollte daher nicht mit seinem höchsten Auktionsergebnis beginnen, sondern mit einer anderen Frage: Warum stößt die eine Landschaft auf internationales Interesse, während ein scheinbar vergleichbares Werk vor allem als dekoratives Gemälde geschätzt wird? Genau darin liegt der Schlüssel zu diesem Markt.
Der Markt selektiert deutlich stärker, als der wiedererkennbare Stil vermuten lässt
Die Landschaften von Joos de Momper besitzen eine unmittelbare Anziehungskraft: Gebirgsmassive, Flussbiegungen, Reisende, Brücken, Felsformationen und atmosphärische Fernblicke verleihen ihnen einen ausgeprägt dekorativen Charakter. Diese hohe Wiedererkennbarkeit ist kommerziell von Bedeutung. Gleichzeitig kann sie jedoch täuschen.
Innerhalb des Angebots bestehen erhebliche Unterschiede zwischen eigenhändigen Werken, Werkstattarbeiten, zugeschriebenen Gemälden, Arbeiten aus dem Umkreis und späteren Nachfolgern. Format und Motiv spielen ebenfalls eine Rolle, doch vor allem die Qualität der Ausführung und die Überzeugungskraft der Zuschreibung können das Preisniveau erheblich beeinflussen.
Bei einem Werk von De Momper sind daher insbesondere drei Fragen relevant:
- Ist die Komposition überzeugend und eigenständig oder handelt es sich um eine repetitive Variante?
- Sind Figuren und Tiere Bestandteil einer bedeutenden Zusammenarbeit mit einem anderen Maler?
- Lässt sich das Werk mit der Fachliteratur, einer dokumentierten Provenienz oder einer Expertenmeinung verbinden?
Je überzeugender diese drei Faktoren zusammentreffen, desto interessanter wird ein Werk in der Regel für den internationalen Markt.

Das Ergebnis bei Christie’s zeigt deutlich, was der Markt honoriert. Es handelt sich nicht nur um eine große Landschaft von De Momper, sondern um ein überzeugendes und charakteristisches Werk, das zudem durch Fachliteratur und Provenienz gut dokumentiert ist.
Der Preis von 248.750 GBP gegenüber einer Schätzung von 100.000–150.000 GBP zeigt daher nicht lediglich, dass Gemälde von De Momper hohe Summen erzielen können. Interessanter ist vielmehr, dass Käufer bereit sind, deutlich über die Schätzung hinauszugehen, wenn Qualität, Komposition und Dokumentation gleichermaßen überzeugen.
Warum seine Panoramen so unverwechselbar und zugleich so marktgängig sind
Zu seinen charakteristischsten Werken gehören weitläufige Panoramen, bei denen sich der Blick von einem erhöhten Standpunkt über die Landschaft erstreckt. Warme Farbtöne im Vordergrund gehen allmählich in kühlere blaugrüne Partien in der Ferne über. Wege, Brücken, Reisende, Felsen und Flussläufe schaffen räumliche Tiefe und verleihen der Komposition zugleich einen erzählerischen Charakter.
Gerade diese Kombination ist für den Markt attraktiv: Die Gemälde sind unmittelbar als typische Werke aus dem Umfeld De Mompers erkennbar, ohne dass jede Komposition identisch wäre. In seinem reifen Werk, insbesondere in den 1620er-Jahren, werden der hohe Blickpunkt, breite Pinselstriche sowie die Trennung zwischen warmem Vordergrund und kühlerem Hintergrund zu wichtigen stilistischen Merkmalen.

Dieses bei Koller angebotene Werk führt einen zweiten wichtigen Preisfaktor ein: die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Bei De Momper sind Figuren und Tiere, die von anderen Malern ausgeführt wurden, keine seltene Besonderheit. Gerade bei qualitativ höherwertigen Gemälden bildet die Zusammenarbeit mit anderen Antwerpener Meistern einen wichtigen Bestandteil ihrer Attraktivität.
Eine Zusammenarbeit mit Brueghel kann eine Landschaft in ein anderes Marktsegment heben
Joos de Momper wird auf dem Kunstmarkt häufig in einen breiteren Antwerpener Kontext eingeordnet. Besonders bedeutend ist dabei seine Verbindung zu Jan Brueghel dem Älteren und Jan Brueghel dem Jüngeren. De Momper konnte die Landschaft ausführen, während ein anderer Maler die Figuren, Tiere oder Genreszenen übernahm. Für den Sammler entsteht dadurch ein Werk, in dem zwei unterschiedliche Spezialisierungen zusammengeführt werden.
Das erhöht nicht automatisch den Wert jedes gemeinschaftlich zugeschriebenen Gemäldes. Die Qualität beider Beiträge, die Begründung der Zuschreibung und die Stellung des Werkes innerhalb des Œuvres bleiben entscheidend. Bei überzeugenden Beispielen kommt jedoch etwas hinzu, das einer gewöhnlicheren Landschaft fehlt: eine zusätzliche Ebene der Autorschaft und Sammlungsgeschichte.

Der Verkauf von Sommer und Herbst für 254.000 GBP zeigt, wie mehrere wertsteigernde Faktoren zusammentreffen können: großes Format, Zusammenarbeit, ein wiedererkennbares Motiv, Literaturverweise und eine umfangreiche Provenienz.
Für einen potenziellen Verkäufer oder Sammler ist diese Unterscheidung entscheidend. Das Auktionsergebnis einer solchen Zusammenarbeit kann nicht unmittelbar als Wertvergleich für eine einzelne Werkstattlandschaft ähnlicher Größe herangezogen werden. Bei De Momper muss nahezu jeder Preisvergleich zunächst kunsthistorisch und qualitativ eingeordnet werden.
Winterlandschaften sind selten – doch Qualität bleibt wichtiger als Seltenheit allein
Seine Winterlandschaften nehmen eine besondere Stellung ein.
Nach dem im ursprünglichen Artikel zitierten Katalog aus dem Jahr 1986 wurden etwa 60 Winterlandschaften bei einem Gesamtbestand von rund 600 Werken aufgeführt. Sie bilden somit eine relativ kleine Gruppe. Zugleich sind sie unmittelbar wiedererkennbar und ausgesprochen dekorativ, was ihre Attraktivität für ein nordeuropäisches Käuferpublikum zusätzlich erhöhen kann.

Seltenheit bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Winterlandschaft zur Spitzenkategorie gehört.
Der Markt unterscheidet weiterhin zwischen Werken mit starker Lichtwirkung, überzeugenden Figuren und einer lebendigen Komposition und Gemälden, bei denen die Figuren repetitiv oder weniger fein ausgeführt sind. Auch hier gilt also dasselbe Prinzip: Seltenheit ist von Vorteil, jedoch nur dann, wenn zugleich die malerische Qualität überzeugt.
Jahreszeitenserien gehören zu den ambitioniertesten Werken am Markt
Vollständige oder nahezu vollständige Jahreszeitenserien können innerhalb der Markthierarchie noch höher angesiedelt sein. Ein Sammler erwirbt hier schließlich nicht nur eine einzelne Landschaft, sondern ein zusammenhängendes künstlerisches Konzept. Eine solche Serie lässt sich daher nur schwer mit einer einzelnen Tafel vergleichen.
Seltenheit, Geschlossenheit der Serie, Zusammenarbeit, Provenienz und Literaturverweise können hier gemeinsam erhebliches Gewicht besitzen.

Die Schätzung von 600.000–800.000 EUR für diese vier Jahreszeiten verdeutlicht, wie unterschiedlich eine vollständige Serie am Markt positioniert werden kann. Gleichzeitig zeigt sie, weshalb es wenig sinnvoll ist, lediglich nach einem Durchschnittspreis für „einen Joos de Momper“ zu suchen. Unter einem einzigen Künstlernamen existieren tatsächlich mehrere unterschiedliche Marktsegmente.
Grotten, Felsen, Pilger und Hafenszenen bilden kleinere, aber interessante Nischen
Nicht jedes gesuchte Werk muss ein klassisches Gebirgspanorama sein. Grotten und dramatische Felslandschaften bilden eine eigene Kategorie. Durch ausgeprägte Hell-Dunkel-Kontraste und mitunter religiöse oder devotional geprägte Darstellungen können sie sowohl ein dekorativ orientiertes Publikum als auch inhaltlich interessierte Sammler ansprechen.
Auch hier spielt die Qualität der Felsdarstellung eine wichtige Rolle. Eine eindeutig als Werkstattarbeit erkennbare, schwächer ausgeführte Komposition bewegt sich in einem anderen Marktsegment als ein Gemälde, dessen monumentale Felsformationen überzeugend aufgebaut sind.

Mitwirkende Künstler, Werkstatt, Umkreis und Nachfolger
Mit 248.000 EUR gegenüber einer Schätzung von 80.000–100.000 EUR liefert dieses Gemälde erneut ein deutliches Beispiel für den Aufpreis, den der Markt bei einer überzeugenden Kombination aus Qualität, Zusammenarbeit und Provenienz zu zahlen bereit sein kann. Küsten- und Hafenszenen kommen seltener vor und bilden ebenfalls eine eigene Nische innerhalb des Œuvres.

Auch dieses Ergebnis unterstreicht, dass Seltenheit vor allem dann einen Mehrwert erhält, wenn ein Werk überzeugend innerhalb des Œuvres eingeordnet werden kann.
Werkstatt, Umkreis und Nachfolger: dieselbe Bildsprache, aber eine andere Preiskategorie
Die große Wiedererkennbarkeit und Popularität von De Mompers Landschaften hat auch eine Kehrseite: Es existiert eine umfangreiche Gruppe von Gemälden, die seiner Werkstatt, seinem Umkreis oder späteren Nachfolgern zugeschrieben werden. Dadurch entsteht insbesondere im unteren Bereich des Marktes eine wichtige Differenzierung.
Ein Gemälde kann visuell attraktiv und kommerziell gut verkäuflich sein, ohne als eigenhändiges Werk von Joos de Momper zu gelten. Sein Wert beruht dann stärker auf dekorativer Qualität, Format und allgemeiner visueller Attraktivität als auf einer bedeutenden Stellung innerhalb des Œuvres.
Das bedeutet keineswegs, dass solche Gemälde unverkäuflich wären. Im Gegenteil: Für Einrichtungskäufer und Händler existiert ein eigener Markt. Die Preisstruktur unterscheidet sich jedoch grundlegend von jener gut dokumentierter Spitzenwerke.

Dieses Beispiel gehört möglicherweise zu den interessantesten der gesamten Marktanalyse.
Dasselbe Gemälde befand sich zunächst in einem deutlich niedrigeren Preissegment und wurde später anders positioniert, nachdem Forschung, Restaurierung und eine veränderte Katalogisierung einen neuen Kontext für das Werk geschaffen hatten. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Forschung automatisch zu einer höheren Bewertung führt.
Es zeigt jedoch deutlich, warum Zuschreibung, Erhaltungszustand, Restaurierung und kunsthistorische Einordnung bei Alten Meistern nicht getrennt vom Markt betrachtet werden können.
Holztafel oder Leinwand, Restaurierung und Zustand können den Vergleich verändern
Auch der Bildträger verdient Beachtung. Große Werke auf Leinwand können beeindruckend wirken, sind jedoch anfälliger für Craquelé und Verformungen. Kleinere Holztafeln können hingegen eine Detailgenauigkeit, einen Glanz und eine Schärfe bewahren, die von Sammlern besonders geschätzt werden. Noch wichtiger ist jedoch der Zustand der Malschicht.
Stark restaurierte Himmelspartien, verlorene Details oder beschädigte Vordergründe können die Marktposition eines Gemäldes erheblich schwächen. Eine Komposition kann stilistisch weiterhin interessant sein, doch wenn wesentliche Partien nicht mehr ausreichend überzeugen, kann das Werk in der Praxis in eine niedrigere kommerzielle Kategorie eingeordnet werden.
Bei einer Beurteilung ist die Restaurierung daher keineswegs nur ein technisches Detail. Sie kann unmittelbar beeinflussen, wie überzeugend die Autorschaft anhand des sichtbaren Erscheinungsbildes noch vertreten werden kann.
Was bestimmt letztlich den Preis eines Joos de Momper?
Wer verschiedene Verkäufe miteinander vergleicht, erkennt, dass vor allem eine Kombination mehrerer Faktoren die Marktposition bestimmt:
Autorschaft. Ein eigenhändiges Werk wird anders bewertet als eine Werkstattarbeit, ein Werk aus dem Umkreis oder die Arbeit eines Nachfolgers. Qualität. Nicht jedes Panorama besitzt denselben Grad an Raffinesse, Atmosphäre oder kompositorischer Überzeugungskraft. Motiv. Monumentale Landschaften, Winterszenen, Jahreszeitenserien sowie besondere Fels- oder Hafendarstellungen können unterschiedliche Käufergruppen ansprechen. Provenienz und Fachliteratur. Ein gut dokumentiertes Gemälde lässt sich überzeugender innerhalb des Œuvres und des Marktes positionieren.
Damit wird zugleich deutlich, weshalb ein einzelnes Auktionsergebnis kaum ausreicht, um eine sinnvolle Aussage über ein anderes Werk zu treffen. Ein Ergebnis von 248.750 GBP für eine bedeutende und gut dokumentierte Gebirgslandschaft bedeutet nicht, dass eine andere Landschaft, die in einem Katalog unter demselben Künstlernamen geführt wird, einen vergleichbaren Marktwert besitzt.
Der Auktionsrekord erzählt bei De Momper nur einen Teil der Geschichte
Die internationale Marktspitze findet sich vor allem bei den großen internationalen Auktionshäusern. Dort erscheinen die besser dokumentierten eigenhändigen Werke, bedeutende Gemeinschaftsarbeiten und Gemälde mit relevanter Provenienz. Werkstattarbeiten, Nachfolger und Werke aus dem Umkreis bewegen sich häufiger in anderen Preiskategorien und werden bei einem breiteren Spektrum von Auktionshäusern angeboten.
Gerade das macht den Markt für Joos de Momper interessant: Es gibt nicht nur ein Preisniveau, sondern eine klare Hierarchie unterschiedlicher Qualitäten und Zuschreibungen. Für Sammler ist dies ein Grund, Werke sehr genau miteinander zu vergleichen. Für Eigentümer eines möglicherweise mit De Momper verbundenen Gemäldes ist es vor allem ein Grund, aus einem einzelnen Auktionsrekord nicht vorschnell auf den Wert des eigenen Werkes zu schließen.
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