Die Galerie Ehrhardt & Co. gehörte in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren zu den Berliner Kunsthandlungen, die sich auf Alte Meister spezialisiert hatten. Die Firma wurde von Martin Ehrhardt und Heinrich Grünwald geführt und hatte ihren Sitz in der Lennéstraße 6a in Berlin. Heinrich Grünwald war Mitinhaber des Unternehmens und verfügte selbst über Erfahrung als Kunsthändler und Sammler.[1]
Die internationalen Ambitionen der Firma waren beträchtlich. Eine amerikanische Anzeige vom Oktober 1928 nennt neben Galerie Ehrhardt & Co. in Berlin auch Ehrhardt Galleries Inc. in New York sowie eine Niederlassung in der Luisenstraße in Baden-Baden. Das Unternehmen präsentierte sich dabei ausdrücklich als Händler für „Paintings by Old Masters“.[2]

Niederländische und flämische Alte Meister
Niederländische und flämische Malerei bildete einen wichtigen Bestandteil des Handelsbestands. Ein bedeutendes Beispiel ist Maarten van Heemskercks Die Beweinung Christi. Das Gemälde befand sich 1927 bei Ehrhardt und gelangte bereits im folgenden Jahr in die Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums.[3]
Ehrhardt Galleries in New York
Galerie Ehrhardt knüpfte bemerkenswert früh Verbindungen zum amerikanischen Kunstmarkt. Bereits im Oktober 1928 erschienen in The Art News Anzeigen für Ehrhardt Galleries Inc. in New York neben den deutschen Niederlassungen der Firma.[2]
Eine wichtige Persönlichkeit in der späteren amerikanischen Geschichte des Unternehmens war der deutsch-jüdische Kunsthändler Siegfried F. Aram. Er war zuvor Partner von Ehrhardt Galleries in Berlin gewesen. Nach seiner Emigration aus Deutschland im Jahr 1934 ließ er sich in den Vereinigten Staaten nieder und eröffnete 1935 Aram-Ehrhardt Galleries in New York. Zwei Jahre später wurde die Firma in S.F. Aram, Inc. umbenannt.[4]

Dass diese amerikanische Verbindung mehr als nur eine formale Geschäftsstruktur war, zeigen Museumsprovenienzen. Die Fine Arts Museums of San Francisco dokumentieren beispielsweise Gemälde, die über Aram-Ehrhardt Galleries in New York gehandelt wurden. Eines dieser Werke befand sich spätestens 1928 bei Ehrhardt Galleries und wurde 1937 an das Museum verkauft.[5]

Ehrhardt & Co. und Provenienzforschung
Über Galerie Ehrhardt & Co. ist deutlich weniger publiziert worden als über große Kunsthandlungen wie Colnaghi, Knoedler oder Cassirer. Dennoch ist die Firma für die Erforschung von Gemälden, die in den 1920er- und 1930er-Jahren über Deutschland und die Vereinigten Staaten zirkulierten, von besonderer Bedeutung.[6]

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Fußnoten
[1] Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Proveana, Dossiers zu Heinrich Grünwald und Martin Ehrhardt; beide sind als mit Galerie Ehrhardt & Co. verbunden dokumentiert.
[2] The Art News, Bd. 27, Nr. 3, 20. Oktober 1928; Anzeige für Ehrhardt Galleries Inc., New York / Galerie Ehrhardt & Co. G.m.b.H., Berlin, Lennéstraße 6a / Baden-Baden, Luisenstraße 26.
[3] RKD-Provenienzangaben zu Maarten van Heemskerck, Die Beweinung Christi, ca. 1527–1530; Ehrhardt, 1927; Wallraf-Richartz-Museum, Köln, 1928.
[4] Frick Art Reference Library, Archives Directory for the History of Collecting in America, Eintrag zu Dr. Siegfried F. Aram; Partner von Ehrhardt Galleries in Berlin, Aram-Ehrhardt Galleries in New York ab 1935 und S.F. Aram, Inc. ab 1937.
[5] Fine Arts Museums of San Francisco, Provenienzangaben zu Werken, die über Ehrhardt Galleries und Aram-Ehrhardt Galleries in New York gehandelt wurden.
[6] Getty Research Institute, Schaeffer Galleries records, 1907–1988, Acc. No. 910148, Box 171, Folder 2: Galerie Ehrhardt & Co., 1928.