The Spanish Art Gallery gehörte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenderen Kunst- und Antiquitätenhandlungen in London. Gegründet wurde das Unternehmen von Lionel Harris (1852–1943), der seine Tätigkeit vom Handel mit Schmuck und Edelsteinen auf Kunst und Antiquitäten ausweitete. Unter dem Namen The Spanish Art Gallery ist die Firma ab 1907 nachweisbar; sie blieb bis etwa 1951 tätig.[1]
Harris’ besondere Stärke lag in seinem hervorragenden Zugang zum spanischen Kunstmarkt. Von Madrid und London aus erwarb die Firma Gemälde, Skulpturen, Wandteppiche, Möbel und andere Antiquitäten, die anschließend einer internationalen Kundschaft angeboten wurden. Eine besonders wichtige Rolle spielten dabei spanische, flämische und hispano-flämische Alte Meister.[2]


Eine international tätige Kunsthandlung
The Spanish Art Gallery war weit mehr als ein lokaler Londoner Antiquitätenhandel. Die Firma unterhielt Geschäftsbeziehungen zu bedeutenden amerikanischen Kunsthändlern und Sammlern und verkaufte Werke an Museen in Europa und Nordamerika. Zu den nachweisbaren Kunden gehörten unter anderem das Museum of Fine Arts, Boston, und die National Gallery of Canada. Auch das Victoria and Albert Museum stand über mehrere Jahrzehnte hinweg mit der Firma Harris in Verbindung.[2][4]
Die Provenienz von Gemälden, die durch die Galerie gehandelt wurden, verdeutlicht den internationalen Charakter dieses Marktes. Werke aus spanischen Privat- und Kirchensammlungen konnten über London in die Hände privater Sammler oder anderer Kunsthändler gelangen und schließlich in Museen in den Vereinigten Staaten, Kanada und anderen Ländern aufgenommen werden.

Lionel, Maurice und Tomás Harris
Auch die nächste Generation blieb im Kunsthandel tätig. Die Söhne Lionel Harris’, Maurice Harris, Lionel Harris Jr. und Tomás Harris, waren zu unterschiedlichen Zeiten in die Familienunternehmen eingebunden. Zu den verwandten Firmen gehörten The Kent Gallery und Tomas Harris Ltd. Insbesondere Tomás spezialisierte sich auf Gemälde und entwickelte umfassende Kenntnisse auf dem Gebiet der spanischen und flämischen Alten Meister.[1][2]

Provenienz und der spanische Kunsthandel
Die Tätigkeit von The Spanish Art Gallery ist heute auch Gegenstand kunsthistorischer Provenienzforschung. Die Firma spielte eine bedeutende Rolle bei der internationalen Verbreitung spanischer Kunst, trug zugleich jedoch zur Zerstreuung zahlreicher Werke aus spanischen Sammlungen bei. Gerade diese doppelte Bedeutung, spanische Kunst einem internationalen Markt zugänglich zu machen und zugleich zur Verlagerung und Zerstreuung spanischen Kulturguts beizutragen, macht die Firma heute für die Forschung besonders relevant.[2]

Interessieren Sie sich besonders für diesen Künstler oder dieses Thema?
Verfolgen Sie den Markt für diesen Künstler, oder sind Sie auf ein Werk gestoßen, über das Sie gerne mehr erfahren möchten? Wir beschäftigen uns regelmäßig mit Werken, die auf dem Markt erscheinen, und tauschen uns gerne über Qualität, Provenienz, kunsthistorischen Kontext und frühere Auktionsergebnisse aus. Sie erreichen uns direkt über info@antonello.art.

Fußnoten
[1] University of Leeds, Antique Dealers: The British Antique Trade in the 20th Century, Eintrag „The Spanish Art Gallery“; Handelsnamen und Adressen der Firma.
[2] María José Martínez Ruiz, „The Spanish Art Gallery, Londres: su papel en la difusión y dispersión del arte hispánico“, in: L. Arciniega García und A. Serra Desfilis (Hrsg.), Recepción, imagen y memoria del arte del pasado, Universidad de Valencia, 2018, S. 393–421.
[3] Johns Hopkins University, Cultural Properties, Provenienzeintrag zu Portrait of a Wife / Portrait of a Husband, Ambrosius Benson.
[4] Mariam Rosser-Owen, „About the cover“, postmedieval 15 (2024), S. 903–905; mit Verweisen auf die Archive des Victoria and Albert Museum zu L. Harris & Co. und The Spanish Art Gallery.