Die erste Vorschau auf Hampels Septemberauktion lässt noch keine Versteigerung erkennen, die von einem einzigen unbestrittenen Spitzenlos dominiert wird. Mehrere Gemälde waren zudem erst vor relativ kurzer Zeit auf dem Markt. Unter diesen alten Bekannten finden sich jedoch einige Werke, die eine nähere Betrachtung durchaus lohnen: ein feiner Jan van Kessel, eine ganze Sprichwörterwelt nach Bruegel, ein Willem Kalf nach dem Berliner Vorbild und ein kleines Porträt, das nahezu wörtlich auf eine Zeichnung zurückgeht, die einst mit Sofonisba Anguissola in Verbindung gebracht wurde.

Zwei große schwarze Vögel stehen um ein Feuer, während unter ihren Füßen Salamander kriechen; einer von ihnen wird über die Flammen gehalten. Es ist eine seltsame Darstellung. Und gerade deshalb vielleicht eines jener Bilder dieser ersten Septemberauswahl, bei denen man am längsten verweilt.

Auch das Van-Kessel-Kupfer besitzt eine beachtliche Geschichte. Die Provenienz lässt sich bis zur Sammlung Paul Delaroff in St. Petersburg im Jahr 1914 zurückverfolgen, danach über Sotheby’s London in den Jahren 1976 und 1981 sowie den belgischen Kunstmarkt der 1990er-Jahre. Klaus Ertz und Christa Nitze-Ertz nennen in ihrem Werkverzeichnis drei Fassungen dieser ungewöhnlichen Komposition. Eine verwandte Version gehörte zu einer größeren Folge von Tierdarstellungen, die 1996 bei Christie’s in London als Umkreis des Jan van Kessel I angeboten wurde.[1]

Zugeschrieben an Jan van Kessel den Älteren, Two Black Birds Holding Salamanders above a Fire, um 1660–1670. Ein kleines Kupferbild mit auffallend rätselhafter Ikonografie. Die Komposition ist in mehreren Fassungen bekannt und verbindet Van Kessels miniaturhafte Tierwelt mit einer möglichen allegorischen Bedeutung rund um Feuer, Salamander sowie Gut und Böse.

Der Salamander wurde traditionell eng mit dem Feuer verbunden. Nach verschiedenen Überlieferungen galt er als ein Tier, das die Flammen überstehen konnte, und konnte Leidenschaft oder Neid symbolisieren. Ertz ordnete die Szene vorsichtig einem allegorischen Zusammenhang von Gut und Böse zu.[1] Damit gehört das Bild zu den stärkeren Werken der Vorschau. Es ist ein kleines Gemälde, das erstaunlich viele Fragen aufwirft.

Am 27. März 2026 versteigerte Koller Jan van Kessel des Älteren The Fable of the Fox Invited to Dinner by the Heron, ein signiertes Kupfer von nur 19,1 × 25,2 Zentimetern, für CHF 75.000 inklusive Aufgeld, rund €77.000 ($89.000), bei einer Taxe von lediglich CHF 10.000–15.000. Ein ähnlich kurioses kleines Werk – und möglicherweise ein Hinweis darauf, wie der Markt auf das Salamanderbild reagieren könnte.[2]

Nach Pieter Bruegel dem Älteren, The Dutch Proverbs. Die Komposition geht auf Bruegels berühmtes Gemälde von 1559 in der Berliner Gemäldegalerie zurück. Gerade bei diesem Thema kann der kunsthistorische Unterschied zwischen einer späteren Kopie und einer frühbarocken Wiederholung aus dem 17. Jahrhundert erheblich sein.

Bruegels Sprichwörter: Wenn Kopieren kompliziert wird

Eine der erfreulicheren Überraschungen ist vielleicht die große Dorfszene nach The Dutch Proverbs. Auf der Gesamtaufnahme ist deutlich zu erkennen, dass es sich nicht lediglich um eine freie Bruegel’sche Fantasie handelt. Der Maler hat einen erheblichen Teil der berühmten Komposition übernommen: Häuser, Wasserläufe, einen Turm, ein Wirtshaus und Dutzende Figuren, die Tätigkeiten nachgehen, die auf den ersten Blick vollkommen absurd erscheinen.

Das Vorbild ist Pieter Bruegel des Älteren The Dutch Proverbs von 1559 in der Gemäldegalerie in Berlin. Die Komposition vereint mehr als hundert Sprichwörter und Redewendungen in einem einzigen fiktiven Dorf und ist letztlich weniger eine Sammlung visueller Scherze als vielmehr ein Katalog menschlicher Torheiten.[3] Pieter Brueghel der Jüngere wiederholte die Komposition mehrfach. Klaus Ertz verzeichnete neun Fassungen, von denen keine vollkommen mit dem Berliner Vorbild übereinstimmt.[4]

Umkreis des Nicolaes Eliasz. Pickenoy, Full Length Portrait of a Noblewoman with a Ruff, 1631. Der monumentale Amsterdamer Porträttypus steht Pickenoys Welt sehr nahe.

Pickenoy – vorläufig jedoch nur sein Umkreis

Das Damenporträt von 1631 bewegt sich in einem vergleichbaren Bereich. Die etwa 122 × 90 Zentimeter große Dargestellte erscheint nahezu vollständig in Schwarz. Vor dem leeren, dunklen Hintergrund konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf ihr Gesicht, die breite weiße Halskrause, die Haube, die Manschetten und ihre Hände. In einer Hand hält sie Handschuhe; an ihren Fingern trägt sie mehrere Ringe.

Der Porträttypus fügt sich überzeugend in die Amsterdamer Welt von Nicolaes Eliasz. Pickenoy ein, einem der führenden Bildnismaler der Stadt vor und parallel zum Aufstieg Rembrandts. Pickenoy porträtierte vor allem die administrative und kaufmännische Elite Amsterdams, häufig in monumentalen Formaten und mit derselben Spannung zwischen strengem schwarzem Kostüm und der präzisen Wiedergabe weißer Kragen, Spitzen und Accessoires.[5]

Nach Willem Kalf, Still Life with a Chinese Porcelain Box. Die Komposition folgt nahezu wörtlich Kalfs Stillleben von 1662 in der Berliner Gemäldegalerie.

Willem Kalf über den Umweg der Gemäldegalerie

Das dunkle Stillleben mit Porzellandose, Gläsern, Zitrusfrüchten und Metallgefäßen wirft eine andere Art von Frage auf. Hier lässt sich das Vorbild nämlich exakt identifizieren. Das Gemälde ist eine Kopie nach Willem Kalfs Still Life with a Chinese Porcelain Box von 1662, heute in der Gemäldegalerie in Berlin. Das Original misst etwa 67 × 54,7 Zentimeter und befindet sich seit 1899 in der Berliner Sammlung.[6]

Die Komposition wurde nahezu wörtlich übernommen. Links und rechts stehen die hohen Gläser, im Zentrum die hellblaue chinesische Porzellandose; davor liegen eine Orange und eine angeschnittene Zitrone, deren Schale nach unten fällt. Ein kleines Messer mit glänzendem Griff und der dunkle Stoff vervollständigen den Vordergrund.

Kalfs Stärke liegt gerade nicht in der schieren Anzahl kostbarer Gegenstände. Er baut seine Stillleben aus einer begrenzten Zahl sorgfältig ausgewählter Objekte auf und benötigt nur wenige scharfe Lichtreflexe, um Glas, Metall, Porzellan, Früchten und Textilien jeweils eine eigene Oberflächenwirkung zu verleihen. Sein eigentliches Anliegen war die malerische Wirkung des Lichts auf diese unterschiedlichen Materialien.[6]

Portrait of a Boy, nach einer Zeichnung, die historisch mit Sofonisba Anguissola in Verbindung gebracht wurde. Das Gemälde folgt der gezeichneten Vorlage in Haltung und Gesichtszügen nahezu exakt.

Ein Junge, ein Gemälde und eine Zeichnung

Noch subtiler ist das kleine Jungenporträt. Die gemalte Figur wurde eindeutig nach einer ganz bestimmten Zeichnung ausgeführt. Kopf und Schultern sind im gleichen Winkel gedreht. Die Kontur des Schädels, die Position von Augen, Nase und Mund und selbst der kleine hochstehende Kragen wurden nahezu wörtlich übernommen. Der Maler fügte Farbe und Stofflichkeit hinzu: einen graugrünen Hintergrund und dunkle Kleidung.

Die Komposition wird mit einem kleinen gezeichneten Porträt in Verbindung gebracht, das Sofonisba Anguissola zugeschrieben wurde und sich früher in der Sammlung des Earl of Plymouth in Oakly Park befunden haben soll. Gerade bei Anguissola sind Fragen der Zuschreibung in den vergangenen Jahren erneut verstärkt Gegenstand kunsthistorischer Forschung geworden.[7][8]

Ein solides Mittelfeld

Dahinter folgt eine breitere Gruppe, bei der große Namen weniger im Vordergrund stehen. Einige dieser Gemälde waren allerdings erst vor sehr kurzer Zeit auf dem Markt. Sie gehören daher eher in die Kategorie der neu positionierten Werke als in jene frisch aufgetauchter Alter Meister. Für Sammler kann ein gut datiertes, signiertes oder ikonografisch ungewöhnliches Werk im mittleren Marktsegment durchaus attraktiver sein als ein Gemälde, das zwar einen berühmten Namen trägt, diesem aber drei einschränkende Zuschreibungsbegriffe vorangestellt werden müssen.

Die ersten Bilder deuten zudem auf Hafenansichten, Gebirgslandschaften und italianisierende Szenen hin, die jene Breite bieten, die man von einer klassischen Altmeisterauktion erwartet. Gleiches gilt für ein Last Supper aus dem 16. Jahrhundert mit Antwerpener Zügen sowie einige religiöse Darstellungen, deren genaue Autorschaft vorerst besser offenbleibt.

Auffallend viele Gemälde wurden entweder erst vor relativ kurzer Zeit öffentlich angeboten, beziehen einen wesentlichen Teil ihres kunsthistorischen Interesses aus einem berühmten Vorbild oder bewegen sich im Bereich wechselnder beziehungsweise vorsichtiger Zuschreibungen. Das verleiht dieser ersten Gruppe einen anderen Charakter als einer klassischen Highlight-Auswahl mit einigen frischen, seltenen Spitzenlosen. Vielleicht ist dies letztlich die treffendste Art, die Vorschau zu lesen: nicht als Parade von Trophäenwerken, sondern als erste Auswahl voller vertrauter Bezüge und einiger echter Kuriositäten.

Anmerkungen und Quellen

[1] Bernaerts Auctioneers, Antwerpen, 3. Oktober 2023, „to be attributed to Jan I van Kessel (1626–1679)“, Two Black Birds Holding Salamanders above a Fire, um 1660–70, Öl auf Kupfer; Taxe €5.000–6.000. Der Katalogeintrag nennt eine Provenienz ab Paul Delaroff, RKD Images Nr. 42228 sowie drei Fassungen nach Klaus und Christa Nitze-Ertz.

[2] Koller Auktionen, Gemälde Alter Meister (A216), Zürich, 27. März 2026, Los 3048, Jan van Kessel der Ältere, The Fable of the Fox Invited to Dinner by the Heron, Öl auf Kupfer, 19,1 × 25,2 cm, signiert J. v. Kessel. f. Taxe CHF 10.000–15.000; verkauft für CHF 75.000 inklusive Aufgeld. Eine vergleichbare Version befindet sich in der Staatsgalerie Stuttgart, Inv.-Nr. 2231.

[3] Pieter Bruegel der Ältere, The Dutch Proverbs, 1559, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin.

[4] Christie’s, Pieter Brueghel der Jüngere, The Netherlandish Proverbs; Besprechung der neun von Klaus Ertz verzeichneten eigenhändigen Fassungen.

[5] Christie’s, Old Masters Evening Sale, London, 15. Dezember 2020, Nicolaes Eliasz. Pickenoy, Pendantporträts von 1636; Katalogessay zu Pickenoys Stellung innerhalb der Amsterdamer Porträtmalerei.

[6] Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Willem Kalf, Still Life with a Chinese Porcelain Box, 1662, Inv.-Nr. 948F, ca. 67 × 54,7 cm.

[7] National Gallery of Art, Michael Cole, „Sofonisba Anguissola: Recent Discoveries and Debates“, Sydney J. Freedberg Lecture on Italian Art, 17. Januar 2024.

[8] Die historische Verbindung der mit dem Jungenporträt zusammenhängenden Zeichnung mit Sofonisba Anguissola, dem Earl of Plymouth und Oakly Park geht auf die RKD-Dokumentation, Nr. 1445882, zurück.

Die Septemberauktion findet am 24. September 2026 statt. Hampel bezeichnet die derzeit gezeigten Werke als New Arrivals/New Objects für die kommenden Auktionen.