Eine nur 21,5 × 17,5 Zentimeter große Tafel, von Hargesheimer vorsichtig als „probably workshop or school“ von Rembrandt und möglicherweise als Selbstporträt katalogisiert, hat bereits vor der Auktion beträchtliches Bieterinteresse geweckt. Die Schätzung beginnt bei €150 ($175); zum Zeitpunkt der Veröffentlichung liegt das Gebot bei €1.400 ($1.600). Vor allem das Format macht das Los interessanter, als es zunächst erscheinen mag.
Unter den Alten Meistern, die Hargesheimer am 12. September in Düsseldorf versteigert, fällt Los 3685 weder durch seine Größe noch durch seine Provenienz oder einen ausführlichen Katalogtext auf. Im Gegenteil. Es handelt sich um einen kleinen Männerkopf auf Eichenholz, 21,5 × 17,5 Zentimeter groß, aus einer Privatsammlung in Rheinland-Pfalz und katalogisiert als Rembrandt Harmensz. van Rijn, probably workshop or school, Possibly Self-Portrait as a Young Man. Die Schätzung liegt bei €150–300 ($175–350).[1]
Davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig: Mehrere Bieter haben das Werk bereits vor der Auktion auf €1.400 ($1.600) getrieben. Das macht es noch lange nicht zu einem Rembrandt, und selbst „workshop“ ist innerhalb der weiter gefassten Zuschreibung „probably workshop or school“ ausdrücklich nur eine Möglichkeit. Das Bieterinteresse wird jedoch verständlicher, wenn man bedenkt, dass 21,5 × 17,5 Zentimeter für eine rembrandteske Tronie keineswegs ein ungewöhnliches Format sind.

Genau die Größe, in der solche Köpfe gemalt wurden
Rembrandt und Künstler aus seinem Umfeld schufen in den späten 1620er- und 1630er-Jahren kleine Kopfstudien und Selbstporträts, die kaum größer sind als die Düsseldorfer Tafel. Es handelte sich nicht um verkleinerte Fassungen formeller Porträts, sondern um konzentrierte Studien von Gesicht, Licht, Kostüm und Ausdruck: die Welt der Tronie. Solche Arbeiten gingen vermutlich auf Vorlagen Rembrandts zurück, die im Atelier verblieben und von Assistenten oder Schülern als Übungsstücke oder Modelle kopiert werden konnten.
Auch die Komposition der kleinen Tafel gehört in diese Bildwelt. Der Kopf eines jungen Mannes hebt sich nahezu körperlos aus einem dunklen Hintergrund ab; eine breite Mütze schließt das Gesicht nach oben hin ab, während warmes Licht über Stirn, Nase und Wange fällt. Rotbraune Kleidung löst sich im Schatten auf, und ein markanter grauweißer Akzent am Kragen lenkt den Blick zurück auf das Gesicht. Es ist ein Bild, das vollständig von Licht und Physiognomie lebt, nicht von Umgebung oder erzählerischen Details.
Die Oberfläche wirkt alt und stellenweise berieben; zudem werden ältere Restaurierungen erwähnt. Auf der Rückseite befindet sich ein älteres schwedischsprachiges Etikett mit der Aufschrift Manshuvud / Tyskt 1700-tal, „Männerkopf, deutsch, 18. Jahrhundert“. Vor allem zeigt dies, dass das Gemälde früher unter einer deutlich allgemeineren Zuschreibung zirkulierte.

Von £300 auf £2.099 bei nahezu identischem Format
Ein aktueller Vergleich zeigt, wie schnell selbst eine zurückhaltende Zuschreibung als Follower eine niedrige Schätzung hinter sich lassen kann. Roseberys bot am 10. März 2026 in London ein Portrait of a Bearded Old Man Wearing a Hat als Follower of Rembrandt an. Öl auf Holz, 21,2 × 17,8 Zentimeter. Die Schätzung entsprach etwa €350–470 ($400–550). Das Werk erzielte rund €2.450 ($2.850) inklusive Aufgeld.[2]
Dieses Ergebnis ist hier womöglich aussagekräftiger als spektakuläre Millionenpreise. Es zeigt, dass der Markt für einen überzeugenden dekorativen rembrandtesken Kopf auf Holz auch ohne Werkstattzuschreibung schnell über wenige Hundert Euro hinausgehen kann. Eine Stufe höher wird der Unterschied noch deutlicher. Im April 2024 bot Dorotheum A Tronie of a Bearded Man als Workshop of Rembrandt van Rijn an. Auch dieses Werk hatte nahezu exakt dasselbe Format: 20,5 × 17,3 Zentimeter. Die Schätzung lag bei €20.000–30.000 ($23.000–35.000).[3]
Dafür gab es allerdings eine wesentlich breitere Grundlage. Die Holztafel war dendrochronologisch untersucht worden; als frühestmögliche Entstehungszeit wurden die 1640er-Jahre angenommen. Zudem verwies ein Rembrandt-Spezialist auf verwandte Fassungen in zwei Museumssammlungen und bewertete dieses Exemplar innerhalb der Gruppe als besonders eng mit Rembrandt verbunden.

Eine Provinzauktion und eine 22 Zentimeter große Tafel
Es gibt einen Präzedenzfall, der fast zu gut zu dieser Geschichte passt. Im Oktober 2007 tauchte bei dem regionalen englischen Auktionshaus Moore Allen & Innocent ein kleiner Kopf auf, katalogisiert als Follower of Rembrandt. Schätzung: umgerechnet etwa €1.200–1.800 ($1.400–2.000). Format: 22,2 × 17,1 Zentimeter.
Das Gemälde wurde schließlich für umgerechnet rund €2,6 Millionen ($3,0 Millionen) inklusive Aufgeld verkauft. Im folgenden Jahr akzeptierte Ernst van de Wetering das Werk als eigenhändigen Rembrandt. Heute befindet sich Rembrandt Laughing, um 1628, im J. Paul Getty Museum.[4]
Solche Entdeckungen sind selbstverständlich außergewöhnlich. Ein eigenhändiges Selbstporträt Rembrandts, das Sotheby’s 2020 verkaufte, Self-Portrait of the Artist, Half-Length, Wearing a Ruff and a Black Hat von 1632, misst 21,8 × 16,3 Zentimeter. Es erzielte umgerechnet etwa €17 Millionen ($19,8 Millionen) inklusive Aufgeld.[5] In genau dieser Größenordnung finden sich also bedeutende Selbstporträts, Tronien und Atelierstudien.

Das Gemälde, das von $15.000 auf $675.000 stieg
2019 versteigerte Christie’s in New York ein rundes A Portrait of the Artist aus dem Bass Museum of Art. Das Gemälde hatte einen Durchmesser von nur 29,2 Zentimetern und wurde ohne Reserve als Manner of Rembrandt angeboten. Die Schätzung entsprach ungefähr €13.000–17.000 ($15.000–20.000).[6] Die Bieter ließen sich davon wenig beeindrucken: Der registrierte Endpreis lag bei rund €580.000 ($675.000).
Nach Restaurierung und weiterführender Untersuchung wird dasselbe Gemälde heute als Workshop of Rembrandt, Portrait of Rembrandt as a Young Man, circa 1628–31, präsentiert. Daraus lässt sich keineswegs ableiten, dass in Düsseldorf eine vergleichbare Entdeckung bevorsteht. Es zeigt vielmehr etwas anderes: Bei kleinen rembrandtesken Köpfen kann der Markt eine Hypothese mitunter sehr viel schneller einpreisen, als es eine vorsichtige Katalogzuschreibung tut.

Was sehen die Bieter?
Ein regionales Auktionshaus bietet eine breit katalogisierte Altmeistertafel zu einem niedrigen Preisniveau an. Gerade in solchen Katalogen kann sich genaues Hinsehen lohnen: nicht weil sich hinter jeder allgemeinen Zuschreibung ein großer Name verbirgt, sondern weil der Ausgangspreis mitunter wenig darüber aussagt, wie viel Aufmerksamkeit ein Objekt letztlich auf sich ziehen wird.
Zwischen den unterschiedlichen Ergebnissen der hier genannten Tronien liegen Dendrochronologie, Provenienz, Zustand, Vergleiche mit anderen Fassungen und das Urteil von Spezialisten. Genau darin liegt bei Los 3685 die eigentliche Spannung. Wenn die Tafel auch maltechnisch überzeugt und eine Materialuntersuchung eine Entstehung im 17. Jahrhundert stützt, wird der derzeitige Preis interessant.
Am 12. September werden wir wissen, wie viele andere zu demselben Schluss gekommen sind.
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Anmerkungen und Quellen
[1] Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf, Auktion 160.5 Sculptures, Bronzes & Old Master Paintings, Düsseldorf, 12. September 2026, Los 3685, Possibly Self-Portrait as a Young Man, katalogisiert als „Rembrandt Harmensz. van Rijn, probably workshop or school“; Öl auf Eichenholz, 21,5 × 17,5 cm; Schätzung €150–300.
[2] Roseberys London, Old Master, British & European Pictures, 10. März 2026, Los 40, Follower of Rembrandt, Portrait of a Bearded Old Man Wearing a Hat, Öl auf Holz, 21,2 × 17,8 cm; Schätzung £300–400; erzielt £2.099 inklusive Aufgeld.
[3] Dorotheum, Old Master Paintings, Wien, 24. April 2024, Los 112, Workshop of Rembrandt van Rijn, A Tronie of a Bearded Man, Öl auf Holz, 20,5 × 17,3 cm; Schätzung €20.000–30.000. Der Katalog dokumentiert eine dendrochronologische Untersuchung und bespricht verwandte Fassungen.
[4] Moore Allen & Innocent, Cirencester, 26. Oktober 2007, Los 377, damals katalogisiert als Follower of Rembrandt; Schätzung £1.000–1.500; Zuschlagspreis £2,2 Millionen. J. Paul Getty Museum, Rembrandt van Rijn, Rembrandt Laughing, um 1628, Öl auf Kupfer, 22,2 × 17,1 cm.
[5] Sotheby’s, Rembrandt to Richter, London, 28. Juli 2020, Los 12, Rembrandt van Rijn, Self-Portrait of the Artist, Half-Length, Wearing a Ruff and a Black Hat, 1632, Öl auf Eichenholz, 21,8 × 16,3 cm; Schätzung £12–16 Millionen; erzielt £14.549.400 inklusive Aufgeld.
[6] Christie’s New York, 29. Oktober 2019, Los 812, A Portrait of the Artist, Manner of Rembrandt, Durchmesser 29,2 cm, Sammlung des Bass Museum of Art; Schätzung $15.000–20.000.